11.11.2025 Transformation
Digital vernetzt, regional wirksam: Erfolgsfaktoren von Innovationsökosystemen
Eine aktuelle Schweizer Studie, veröffentlicht im Rahmen des Entrepreneurship Forum 2024 in Genf und Fribourg, bestätigt, was wir hier täglich erleben: Wachstum entsteht dort, wo Talente, Kapital und Innovationskultur zusammenkommen.
Silicon Valleys Erfolgsfaktoren
Das, was Forschende als “Knowledge Region” beschreiben, ist im Silicon Valley seit Jahren Realität – ein kraftvolles Zusammenspiel aus mutigem Kapital, Spitzen-Unis, einer Kultur, die neue Ideen willkommen heißt und Fehler als Lernsprung nutzt. Plus ein dichtes Netz aus Mentor:innen und Macher:innen. Dieses Setup hat die Messlatte gesetzt: ein Umfeld, in dem Menschen schnell ins Machen kommen und wo aus Innovation Wirkung wird.
Für uns ist das eine Bestätigung: Ein lebendiges, gut vernetztes Ökosystem macht den Unterschied. Genau das ist der Gedanke, aus dem das Schlössli entstanden ist – ein Ort, an dem Support, Infrastruktur, Kapital und kreative Energie zusammenfinden. Hier wird sichtbar, was die Studie in Zahlen ausdrückt: Wer schnell Zugang zu den richtigen Menschen und Ideen bekommt, kommt schneller ins Handeln.
Erfolg braucht Partnerschaft – zwischen Region, Wirtschaft und Ideen
Gerade für Luzern und die Zentralschweiz ist das eine relevante Erkenntnis. Unsere Region hat das Potenzial, zu einer der innovativsten Landschaften des Landes zu werden – weil hier Nähe und Vertrauen funktionieren. Kurze Wege, engagierte Hochschulen und eine offene Kultur sind die besten Voraussetzungen für nachhaltiges Unternehmertum.
Die Studie unterstreicht auch die Rolle von Politik und öffentlichen Institutionen: Städte und Gemeinden, die aktiv Räume, Netzwerke und Prozesse öffnen, schaffen die Grundlage für Innovation. Genau hier versteht sich das Schlössli als Brücke – zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und den Menschen, die Neues wagen.
Innovation entsteht dort, wo diese Faktoren zusammenkommen
Ideen wachsen nicht im Elfenbeinturm. Sie entstehen dort, wo Menschen sich austauschen, gemeinsam denken und Dinge umsetzen. Erfolgreiche Regionen sind also doppelt stark: Sie verknüpfen digitale Reichweite mit echten Orten fürs Zusammenkommen: Räume, in denen Ideen wachsen, Kreativität fliesst und Vertrauen entsteht.
Ein starkes Ökosystem ist kein Zufall – es ist gebaut. Aus Partnerschaften, klaren Regeln und Orten, an denen Menschen ins Tun kommen. Die Bausteine:
- Privatwirtschaft als Turbo
Unternehmen öffnen Türen: Finanzierung, erste Kund:innen, echte Use Cases, echtes Feedback. So kommen Prototypen schneller in den Markt – und wachsen. - Öffentlicher Sektor als Möglichmacher
Klare Regeln, smarte Förderung, Faire Beschaffung (PPI) und Infrastruktur, die Innovation trägt. Nicht overengineered, sondern praxistauglich. - Kapital mit Köpfchen
Venture Capital plus: Sparring, Netzwerk, Skalierungserfahrung. Geld allein reicht nicht – es braucht kluge Begleitung, die mit durch die Täler geht. - Bildung, die in den Markt funkt
Hochschulen als Ideenmotoren und Talentpool – mit Transfer in die Anwendung. Forschung trifft Umsetzung, z.B. über Formate wie bydo Link öffnet in neuem Fenster.. - Community & urbane Nähe
Mut, Austausch, Lernen – dort, wo Menschen sich treffen. Innenstadtnah, kulturell lebendig, gut erreichbar. Das Schlössli steht genau dafür. - Innovation Support, der wirklich hilft
Inkubatoren, Acceleratoren, New Work Spaces: Räume, Programme, Coaching, Tools. Zugriff auf das, was in der frühen Phase zählt. - Verlässliche, transparente Institutionen
Planbare Verfahren, schnelle Genehmigungen, klare Zuständigkeiten. Rechtssicherheit ist ein Standortfaktor. - Steuern, die Innovation ermöglichen
Ein Umfeld, das Investitionen erleichtert: zielgerichtete Vergünstigungen, sinnvolle Abzüge und schlanke Regelungen für Start-ups.
Empirische Untersuchung von Gründungsökosystemen
In einer empirischen Studie untersuchte SebastiaanOp de Beeck anhand einer Befragung von 97 europäischen Startups, wie verschiedene Standortfaktoren das Unternehmenswachstum beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen: Standortbedingungen sind maßgeblich für das Wachstum junger Unternehmen.
Zentrale Befunde
Es besteht eine signifikante, positive Korrelation mittlerer Stärke zwischen den Standortfaktoren und dem Wachstum der Startups (r = .338, p < .001)
Vier Standortfaktoren erwiesen sich als zentral für das Wachstum:
- Zugang zu lokalem Support (r = .289, p < .05)
- Verfügbarkeit ausreichender Infrastruktur (r = .220, p < .05)
- Günstiges Steuerumfeld (r = .219, p < .05)
Zugang zu Kapital (r = .207, p < .05)
Interpretation
Die Studie zeigt, dass lokaler Support, Infrastruktur, Steuern und Kapitalzugang zentrale Hebel für leistungsfähige Startup-Ökosysteme sind. Für den Aufbau eines starken Gründungsökosystems sollten diese Faktoren gezielt ausgebaut und an regionale Bedürfnisse angepasst werden.
René Zeier
Unser Fazit
Auch im digitalen Zeitalter bleibt der Standort weit mehr als eine Kulisse: Erst das Zusammenspiel von virtuellen und physischen Ressourcen schafft jene Räume, in denen Innovation wirklich entsteht. Wer beides verbindet, baut unternehmerische Ökosysteme, die widerstandsfähig sind – und global bestehen können. Doch ein Standort wird erst dann zum echten Innovationstreiber, wenn Wirtschaft, Politik, Bildung, Kapital, Community und Unterstützungssysteme vor Ort ineinandergreifen und gemeinsam wirken.
Das Silicon Valley mag Symbol für Geschwindigkeit und Wagnis sein – doch die Prinzipien dahinter sind übertragbar: Struktur, Haltung und Offenheit. Die Schweizer Studie zeigt, dass diese Prinzipien auch hier wirken können – lokal, pragmatisch, nachhaltig.
Das Schlössli ist Teil dieser Bewegung. Wir sind überzeugt: Erfolg lässt sich nicht importieren, aber er lässt sich kultivieren. Und genau das tun wir – Schritt für Schritt, mit den Menschen und Ressourcen, die hier sind. Für Luzern, für die Region, für eine neue, soziodigitale Wirtschaftskultur.
Paper - Ecosystem & National Innovation Systems
Das Paper wurde im Rahmen des Geneve & Fribourg Entrepreneurship Forum [26.–29. Juni 2024] vorgestellt.
Beteiligte Autoren:
Alexander Reinhold Werbik
René Zeier
Isabelle Oehri
Sebastian Op de Beeck