12.08.2025 Transformation
Schlössli im Wandel – Von der Belle Époque zur digitalen Transformation
Wer schon mal auf der Schönegg oberhalb von Luzern spazieren war, kennt den Anblick: das Schlössli Schönegg mit seinen Zinnen, Fachwerkgiebeln und dem Blick über Stadt, See und Berge. Ein bisschen verwunschen, ein bisschen stolz – und vor allem: voller Geschichte.
Schlössli im Wandel – Von der Belle Époque zur digitalen Transformation
Dabei war das Gebäude nicht immer das, was es heute ist. Ursprünglich um 1900 erbaut, diente es damals als Pension mit dem klingenden Namen «Wilhelmshöhe». Die Belle Époque war in vollem Gange. Luzern im touristischen Höhenflug. Die Stadt zog Gäste aus ganz Europa an – darunter auch viele Deutsche, die hier Erholung und Aussicht suchten. Mit dem Besuch von Kaiser Wilhelm II. war Luzern endgültig auf der Landkarte des internationalen Jetsets angekommen (auch wenn’s den Begriff noch gar nicht gab).
Doch wie so oft in der Geschichte wurde auch dieses Kapitel durch einen Krieg beendet. Nach dem Ersten Weltkrieg brach der Tourismus ein, die Pension schloss, und das Gebäude wechselte mehrfach die Nutzung: mal Internat, mal Wohnhaus, mal Asylunterkunft. Mal wurde es genutzt, mal stand es leer. In den 1990ern war es sogar Schauplatz einer Hausbesetzung – etwa 50 Personen waren beteiligt; ein harter Kern von rund 20 Personen lebte dort bis November 1997.
Dann kam der Wendepunkt: 1998 kauften zwei Unternehmer mit Digitalhintergrund das Gebäude – Stefan Muff und Uli Sigg. Sie hatten zuvor Endoxon gegründet, ein Unternehmen, das später in Google Maps aufging. Ihre Vision: Das Schlössli Schönegg sollte ein Ort für neue Ideen, für Tech und für Transformation werden. Es wurde renoviert, mit dem Denkmalschutz abgestimmt und zur Zentrale der AXON – mehreren Firmen, die heute über 750 Mitarbeitende beschäftigt und Softwarelösungen für Unternehmen auf der ganzen Welt entwickelt.
Aktuell wird aus dem Schlössli Schönegg DAS «Schlössli». Ein Ort an dem Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam an Lösungen für die Zukunft arbeiten, oder genauer: Es wird das Zuhause für soziodigitale Transformation. Offen, kollaborativ, interdisziplinär.
Was dieses Gebäude so besonders macht, ist vielleicht genau das: Es war nie nur eine schöne Kulisse. Es war immer in Bewegung. Wer das Schlössli besucht, spürt das: Hier wird Geschichte nicht konserviert, sondern weitergeschrieben.